Hornhautchirurgie

Die Hornhaut fungiert als klares Fenster, durch welches das Licht ins Auge fällt. Vor der Regenbogenhaut (Iris) und der Pupille bildet sie eine Kuppel. Wird die Hornhaut aufgrund von Entzündungen oder durch Narbenbildung nach Verletzungen trüb, kann es zu Einschränkungen des Sehens (milchige Sicht) bis hin zur Blindheit kommen. Bei einer Schwellung der Hornhaut, dem Hornhautödem, sind die Augen besonders blendempfindlich. Wenn eine Erkrankung bereits so weit fortgeschritten ist, dass sie medikamentös oder mit Kontaktlinsen (etwa bei einer starken, irregulären Verziehung der Hornhaut, Keraotokonus) nicht mehr behandelbar ist, muss eine operative Therapie in Betracht gezogen werden.

Im Bereich der Hornhautchirurgie hat es in den letzten Jahren einen rasanten Wandel gegeben, der sich sowohl im Bereich der Keratoplastiken als auch in der modernen Pterygium-Chirurgie sowie im Bereich der Amnionmembran-Transplantationen wiederfindet

Keratoplastik

Eine sog. Keratoplastik ist für viele Patienten die einzige Chance, ihr Augenlicht zu erhalten. Dabei wird die erkrankte Hornhaut des Empfängers teilweise oder komplett durch eine Spenderhornhaut ersetzt. Heute kann diese Operation sowohl unter örtlicher Betäubung als auch unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Man unterscheidet verschiedene Arten der Keratoplastik:

  • Bei der perforierenden Keratoplastik wird das gesamte Hornhautgewebe transplantiert. Hierfür wird eine alle Hornhautschichten umfassende Spenderhornhautscheibe mit einem Durchmesser zwischen 7 und 9 mm anstelle der erkrankten Hornhaut in das Auge des Empfängers eingesetzt.
  • Die lamelläre Keratoplastik wird angewandt, wenn es genügt, nur einzelne erkrankte Gewebsschichten zu transplantieren. Dieses Verfahren ist nach dem Keratoplastik-Register sowohl in Deutschland als auch weltweit das am häufigsten durchgeführte Verfahren und hierbei insbesondere die hintere lamelläre Keratoplastik ‚Descement’s membrane endothelial keratoplasty‘ (DMEK) wie auch im Bereich der vorderen Lamellen ‚Deep anterior lamellar keratoplasty‘ (DALK)
  • Die tektonische Keratoplastik meint das Auf- oder Einnähen von Spendermaterial auf die Patientenhornhaut, um kleinflächige Schäden abzudecken (z. B. Hornhautperforation).

Wie läuft eine Hornhauttransplantation ab?

Die Hornhauttransplantation ist die älteste und häufigste Transplantation überhaupt, bereits 1905 wurde sie erstmals erfolgreich durchgeführt. Je nach Art der Keratoplastik unterscheidet sich der Eingriff. Alle Operationen werden unter dem Operationsmikroskop durchgeführt, um höchste Präzision zu gewährleisten. Bei der sämtliche Hornhautschichten ersetzenden Keratoplastik wird mit einem Spezialinstrument ein kreisrundes Scheibchen aus der erkrankten Hornhaut herausgeschnitten, an dessen Stelle wird mit sehr dünnen Nähten ein genau gleich großes Scheibchen der Spenderhornhaut eingesetzt.

Bei der lamellären Keratoplastik wird nur die erkrankte Schicht der Hornhaut durch Spendergewebe ersetzt.

Bei beiden Varianten der Operation verbleiben die hauchfeinen Fäden für etwa ein Jahr im Hornhautgewebe, werden aber glücklicherweise von den Patienten nicht als Fremdkörper wahrgenommen. Da die Hornhaut frei von Blut- und Lymphgefäßen ist, spricht man auch oft von einem „immunologischen Privileg“, d. h. Abstoßungsreaktionen sind sehr selten, können jedoch wie bei jeder Organverpflanzung vorkommen.

Der Heilungsprozess nach einer Hornhauttransplantation kann – abhängig von der Art der Operation – Wochen bis Monate dauern. Meist wird ein akzeptables Sehvermögen erst nach etwa drei Monaten erreicht, und trotz modernster Technik können stärkere Brechungsfehler auftreten. Ein Wiedereinstieg in den beruflichen Alltag ist – abhängig von den Anforderungen und dem Allgemeinzustand – etwa vier Wochen nach einer Keratoplastik möglich. Engmaschige Kontrolluntersuchungen sind in der Zeit nach dem Eingriff die Voraussetzung, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Zudem ist die Anwendung von Augentropfen nach Therapieplan unerlässlich.

Indikationen für eine Hornhauttransplantation

Eine Hornhauttransplantation kann aus optischen, strukturellen, therapeutischen oder (selten) kosmetischen Gründen vorgenommen werden. Typische Indikationen sind:

  • Keratokonus, Keratoglobus
  • Bullöse Keratopathie
  • Hornhautnarben (nach Herpeskeratitis oder anderen Hornhautinfektionen, nach scrophulöser Keratokonjunktivitis, nach Augenverletzung oder Verätzung des Auges)
  • Dystrophien
  • Augeninfektionen (z. B. Herpes-Keratitis)
  • Hornhaut-Ulzera

Pterygium-Chirurgie

Das Pterygium ist eine häufige, UV-induzierte Degeneration der Bindehaut im Lidspaltenbereich. Operationsindikationen umfassen Visusminderung, fortschreitende Astigmatismusbildung, Oberflächenbeschwerden und drohende Invasion in die optische Achse. Wichtiger Baustein einer Rezidivprophylaxe ist dauerhafte UV-Protektion (Sonnenbrille).

Die moderne chirurgische Intervention beinhaltet eine intraoperative Therapie mit Antimetaboliten und einem freien Bindehauttransplantat.

Die postoperative Therapie erfolgt mit topischen Steroiden und Tränenersatzmitteln und ggf. bei weiderholten Rezidiven neuen antiangiogene Therapieansätzen mit z. B. Bevacizumab (Avastin).

Amniomembran-Transplantation

Die Amnionmembran (Eihaut) wird bei schlecht heilenden Erkrankungen der Augenoberfläche, wie Hornhautgeschwüren, rezidivierenden Erosionen und in der akuten Behandlung von Verbrennungen und Verätzungen der Augenoberfläche angewendet.

Die wundheilungsfördernde Wirkung der Amnionmembran beruht zum einen auf der Ausschüttung von Wachstumsfaktoren, zum anderen wirkt sie wie ein Verband, wenn Sie auf der Augenoberfläche aufgebracht wird.

Häufig wird das Aufnähen der Amniomembran mit einem zeitweisen chirurgischen Verschluss des Augenlides (Tarsorhaphie) kombiniert. Durch dieses kombinierte Verfahren können so meist größere Operationen vermieden, oder auf einen späteren Zeitpunkt nach Abklingen der Entzündung verschoben werden. Hierdurch ergibt sich insgesamt eine wesentlich bessere Prognose.

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